Nationalpark-Karpfen

von Lars Krüger

Diesen Sommer machte ich mich zusammen mit meinem Kumpel Marcel auf, neue Ufer zu erkunden. Wir nahmen uns ein Gewässer vor, dass wir zuvor nur äußerst selten und vor allem auch bislang recht erfolglos befischt hatten. „Warum das?“, könnte man sich jetzt fragen. Nun ja, die Bedingungen an diesem sehr schönen und naturbelassenen Stausee sind alles andere als optimal für uns Karpfenangler. Die Uferbereiche sind extrem zugewachsen und dazu noch sehr steil, sodass es kaum Möglichkeiten gibt einen Platz für das Bivvy zu finden. Auch war es uns nicht möglich das Tackele per Boot zum Platz zu bringen, da die Nutzung untersagt ist. Wir mussten also das Gesamte Material mit Muskelkraft ans Wasser schaffen.

Keine guten Vorzeichen

Dazu kommen noch massenhaft Zecken die nur auf ein Paar Angler wie uns warten. Bereits im vergangenen Jahr, fing sich ein Freund durch einen Zeckenbiss, bei der Spodsuche Borreliose ein. Es war also Vorsicht geboten. Doch das wohl größte Übel war der dünne Fischbestand in Kombination mit einem absoluten Anfütterverbot. Wie sollten wir nun vorgehen um doch einen Fisch abgreifen zu können? Es gab nur eine Möglichkeit! Wir mussten die Fische finden und an ihren Standplätzen direkt beangeln.

Fische lokalisieren

An einem sonnigen Sonntag, unmittelbar vor unserer gemeinsamen Urlaubswoche, machten wir uns mit den Polarisationsbrillen auf um den See zu umrunden und die Fische ausfindig zu machen. Nach einigen Kilometern abseits von jeglichen befahrbaren Wegen entdeckten wir aufsteigende Blasen an der Oberfläche. Bei genauerem hinsehen ließen sich ca. fünf Fische an der Oberfläche beobachten. Aufgrund der aufsteigenden Blasen gingen wir davon aus, dass noch einige Fische darunter standen. Leider war das Ufer an diesem Platz absolut unbefischbar. Es wäre nicht einmal möglich gewesen einen Fisch zu landen und erst recht nicht ein Bivvy aufzustellen. Wohl oder übel entschieden wir uns für die erste befischbare Stelle, unterhalb der ausfindig gemachten Karpfen. Leider lag der Spod mehrere 100 Meter davon entfernt, so dass wir in der ersten Nacht nicht das beste Gefühl hatten.

Die Spots

Unsere Ruten hatten wir unmittelbar vor dem Holz platziert und die Rigs, mit IB Carptrack V-Pop’s und IB Carptrack Carptrack Amino Dip Mega.Krill, extrem auffällig gemacht. Ein Muss, da wir ja auf unser Beifutter verzichteten. Die Nacht verlief komplett ruhig. Wir wachten gegen 09:00 Uhr auf und es hatte sich bereits Enttäuschung breit gemacht, als plötzlich meine äußere Rute ablief. Gespannt standen wir am Ufer und warteten auf das erste Auftauchen des Fisches. Wie aus dem nichts lief dann auch eine Rute von Marcel ab. „Wie geil ist das denn? Doppellauf!“ Leider hatten wir nur einen Kescher dabei und ich beeilte mich meinen Fisch schnell ins Netz zu bugsieren. Gerade als mein Spiegler in die Maschen glitt, hörte ich Marcel rufen: „Sch***e ausgeschlitzt!!!“ Na ja, so etwas passiert nun mal. Wir freuten uns gemeinsam über meinen Fisch, machten ein Paar schöne Fotos und waren gespannt was da noch kommen würde.

Ein schöner Abschluss

Die nächsten 24 Stunden passierte nichts mehr. Erst am nächsten Morgen gegen 10:00Uhr, wir fingen bereits an unser Tackle einzupacken, meldete sich mein Bissanzeiger. Einige Eizelpiepser und ein Titschen in der Spitze ließen darauf schließen, dass ein Brassen den Köder genommen hatte. Dem war allerdings nicht so, denn während wir gespannt in Richtung Rod Pod schauten, baute sich der Druck in der Rute immer weiter auf und die Bremse fing an zu singen. Ich schaffte es nur mit großem Druck den Fisch vom Holz im Uferbereich fern zu halten. Einmal berührte die Hauptschnur einen ins Wasser ragenden Ast, was dazu führte, dass mir das Herz in die Hose rutschte. Zum Glück drehte der Fisch ab und landete schließlich im Netz. Ein grauer Schuppenkarpfen mit einer enormen Kampfkraft.

Damit beendeten wir unsere Session vorerst und beschlossen das Gewässer zu wechseln um endlich wieder auf Futter fischen zu können. Wenn der Plan zum Erfolg führt, lest ihr dies auch bald hier im i-Blog.

Bis dahin wünsche ich euch Petri heil!
Euer Lars Krüger
Team Imperial-Fishing Germany


Zwei kurze Nächte

Erfolgreiches Karpfenangeln erfordert keine schwere Logistik. Es ist durchaus möglich, an einem gut vorbereiteten Futterpatz Erfolge in kurzen Sessions zu erzielen, wie unser Autor Grégory Lefebvre erklärt.

Die längsten Tage waren da und wie so oft in den vergangenen Jahren, plane ich eine schnelle Nacht bei einer Kiesgrube in der Region Rhône Alpes. Es ist eine Gewässer, das immer noch aktiv ist und wo das Fischen mehr oder weniger toleriert wird. Ich musste mich etwas verstecken, um meine Anwesenheit auf dem Gelände nicht preiszugeben. Das Gewässer hat einen recht begrenzten Bestand an Karpfen. Es sind nur wenige Fische vorhanden und ich kenne schon viele dieser Fische. Ich erlaube mir immer noch, dort regelmäßig ein paar Nächte zu verbringen, da einige der Fische, die ich fangen konnte, selten gefangen werden. Ich bin mir sicher, es gibt dort immer noch einige Überraschungen. Selbst wenn man einige Stunden, Tage oder sogar Jahre am Ufer dieses Sees verbringen würde, wäre es schwierig alle Fische zu fangen, denn die Fläche von 60 Hektar ist ziemlich beeindruckend und diese nimmt auch noch Jahr für Jahr zu.

Der Weg zum See

Der Zugang zum See ist sehr schwierig. Fahrräder, Anhänger und Spaziergänger mit Hunden sind an der Tagesordnung. An manchen Stellen ist es sogar schwierig zu passieren, da die Vegetation zu dicht ist. Die Ufer sind ziemlich steil, deswegen ist hier höchste Vorsicht geboten. Ich kenne den See seit meiner Kindheit und ich konnte die Entwicklung des Sees beobachten, der heute mehr als 30 Jahre alt ist. Die Herangehensweise bleibt recht einfach, da natürliche Nahrung nicht wirklich reichlich vorhanden ist. Die Fische reagieren wirklich gut auf Boilies und akzeptieren den vorgeschlagenen Köder gut. Die Fische legen wirklich große Strecken zurück und verbrauchen viel Energie auf der Suche nach Nahrung, deshalb ist das Durchschnittsgewicht relativ niedrig. Mein Ziel wird diesbezüglich vielmehr sein, meine Zeit optimal zu nutzen und nach wenigen Stunden die größtmögliche Anzahl von Fischen zu fangen. Vielleicht gibt es ja auch einen kleinen Bonus für den Fang eines noch unbekannten Fisches.

Außer Sichtweite

Ich werde die Plätze, die ich kenne, nachts vorbereiten um so unauffällig wie möglich zu sein. Normalerweise füttere ich ein oder zwei mal vor dem Fischen, um so effizient wie möglich zu sein, da das Fischen nur über ein paar Stunden vom späten Nachmittag bis zum sehr frühen Morgen möglich ist. Die Nächte waren zu diesem Zeitpunkt kurz und es wird notwendig sein effektiv zu fischen um ein Maximum an Fisch auf die Matte zu legen. Als Rigs werde ich Ihnen diejenigen vorstellen, die mir dort gute Ergebnisse ermöglichten. Nichts wirklich Kompliziertes, hier benutze ich bewährte Taktiken. Ich ändere nicht oft meine Gewohnheiten.

Die Montage

Das erste, das normalerweise überall funktioniert, ist das Blowback-Rig. Ich benutze es ziemlich regelmäßig, aber die Komponenten mit denen man es verwendet, könnten einen direkten Einfluss auf seine Wirksamkeit haben. Faktoren wie, die Größe des Hakens, die Dicke des verwendeten Vorfachmaterials, die Größe des Köders oder gar das unterschiedliche Verhalten der Fische spielen hierbei eine große Rolle. Bei Fischen, die viel Strecke zur Nahrungssuche zurücklegen, muss der Futterplatz dementsprechend vorbereitet sein. Wenig Futter auf einer großen Fläche kann hier von Vorteil sein, aber auch ein Nachteil wenn das Wasser voller Krebse oder Katzenwelden ist, die schnell den Boilie am Haar fressen. Mein zweiter Favorit ist das Combi-Rig. Durch das steife Vorfachmaterial ist es optimal bei vorsichtigen Fischen. Das Combi-Rig nutze ich bis zu 90% bei meiner Angelei. Als letztes ist noch das Stiff-Rig zu erwähnen, aber dieses benutze ich nur sehr selten, da das Flurocarbon sehr anfällig ist und ich den für mich notwendigen Durchmesser nicht durch eine Hakenöse eines 4er Hakens bekäme. Für das geplante Fischen hatte ich mich für das Blowback-Rig entschieden. Die Haken in Größe 8 und als Vorfachmaterial Geflochtene Schur in 20lbs Stärke.

Köderwahl

Als Köder verwendete ich den IB Carptrack Uncle Bait – Extra Strong Boilie in 20mm. Mit ihrem cremigen Geschmack sind dies echte Bonbons, denen ich absolut vertraue. Ich begann mit dem Füttern am Montagabend mit insgesamt 4 Kilo Futter. Ca. 3 kg auf einem Spot in 1,80 Meter Tiefe auf einem ca. 2 Quadratmeter großen Kieselstein-Plateau und ein gutes Kilo ziemlich weit unter überhängenden Bäumen. Beim zweiten Füttern am Mittwoch tat ich dasselbe mit den gleichen Mengen.

Langsamer Start

Donnerstag ging es dann endlich zum Angeln raus. Dort angekommen war es extrem heiß und feucht. Es war ungefähr 17:00 und ich wusste nicht, ob die Fische wirklich Appetiit hatten, aber bis jetzt wurde ich dort immer für meine Mühen belohnt. Drei Ruten brachte ich aus und fütterte jeweils ein paar einzelne Boilies dazu. Nach gut zwei Stunden ohne Biss und ein paar Springenden Fischen über den Spots fing ich an mich zu hinterfragen.

Endlich!

Um 19:30 der erste Biss! Ich bin kein ungeduldiger Mensch, aber ich hatte zugegebenermaßen ein ungutes Gefühl bis dahin. Nichts desto Trotz, ein schöner Fisch zum Einstieg! Der Fisch durfte dann schnell wieder zurück in sein Element.

Die Fische sind da

Die Swinger der anderen beiden Ruten bewegten sich ständig. Es mussten also Fische am Platz sein. Die dritte Rute lag wieder bereit und perfekt auf ihrem 60 Meter weit entfernten Spot. Gegen 08:30 wieder ein Biss – Jetzt sind die Fische da! Schon während des Drills spürte ich seine Kraft und dass es kein kleiner war. Vielleicht sogar die „Große Dame“? Bingo!!! Sie war es…Die Waage zeigte stolze 21 Kilogramm!

Die Schlagzahl erhöhte sich

Keine Zeit zum Ausruhen, denn es kam Schlag auf Schlag. Träumte ich etwa? Der nächste Fisch fühlte sich an wie ein Sack Zement. Doch als er das erste Mal an die Oberfläche kam, konnte ich erkennen, dass es ein Spiegelkarpfen war. Ein Fisch, den ich schon mehrmals fangen konnte, diesesmal mit 17 Kilogramm.

Ein Alptraum

Nach eine kurzen Ruhepause ist auch die Rute schon wieder mit etwas Futter an ihrem Platz für die Nacht. Die Nacht sollte fischreich sein – sehr fischreich! Doch leider fielen Brassen über die Plätze her, von den sich 8 Stück meinen Hakenköder aussuchten. Gegen 04:00 Uhr morgens beschloss ich meine Sachen zusammenzupacken und mich zuhause etwas auszuruhen. Jedoch kam ich am selben Abend wieder für eine letzte Nacht.

Wieder zurück

Gegen 17:00 traf ich wieder am Gewässer ein. Schnell waren die Ruten wieder ausgebracht und das Warten begann erneut. Es dauerte nicht lange, bis ich den ersten Fisch landen konnte. Mehrere kleine Fische von 8 bis 12 Kilogramm nahmen meine Hakenköder – leider auch wieder etliche Brassen. Es wahr eine Wahnsinns Nacht. Jedoch kann ich am Ende sagen, dass meine gewählte Taktik vollkommen aufgegangen ist. 

Am Ende sollten zwei kurze Sessions den Erfolg bringen. So macht Angeln Spaß!

Euer Grégory Lefebvre
Team Imperial-Fishing France

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